Gruppenpsychotherapie
Gruppenpsychotherapie ist die Synthese von Gruppendynamik,
psychoanalytischem Vorgehen und Sozialwissenschaft.
Gruppenpsychotherapie stellt die Beziehung von seelischen und
gesellschaftlichen Verhältnissen, von innerseelischen und
interpersonellen Prozessen ins Zentrum.
Gruppenpsychotherapie ist ein differenziertes
therapeutisches Instrument mit vielfältigen klinischen und
theoretischen Konzepten und Modellen.
In therapeutischen Gruppen werden Erscheinungsformen seelischer und
sozialer, innerseelischer und interpersoneller Verhältnisse
untersucht und therapeutisch nutzbar gemacht.
Das Setting der Mehr-Personen-Beziehung als Übertragungsfeld, als
Feld für das Wiedererleben vergangener Beziehungserfahrungen und
als Raum der Gestaltung neuer sozialer Beziehungen bietet eine
Fülle von Möglichkeiten des Erfahrens, des Erkennens und der
Veränderung.
Das Institut
Das "Institut für Analytische Gruppenpsychotherapie und
Gruppendynamik Düsseldorf" (İAGD), ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, ging aus dem bisherigen
Arbeitskreis Analytische Gruppenpsychotherapie am Düsseldorfer
Psychoanalytischen Institut hervor.
Differenzierte Curricula bieten gruppenanalytische Weiterbildung in
Theorie und Praxis für weite Bereiche des psychosozialen Feldes an.
Es ist eine grundsätzliche Dreigliederung des
Weiterbildungsangebots vorgesehen: Analytische Gruppenpsychotherapie und
analytisch orientierte Gruppenpsychotherapie;
psychoanalytisch-interaktionelle Gruppenpsychotherapie sowie
Fortbildungsangebote für Angehörige helfender Berufe.
Psychoanalytiker oder psychoanalytische Ausbildungsteilnehmer
können hier gleichzeitig mit der Ausbildung zum DGPT-Analytiker die
Qualifikation zum Gruppenanalytiker des DAGG (Sektion AG) erwerben.
Dieser Weiterbildungsgang ist aber auch für Fachärzte
(Psychotherapeutische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder-
und Jugendpsychiatrie), für die Ärzt die eine
psychotherapeutische Zusatzbezeichnung erwerben und für
psychologische Psychotherapeuten geeignet.
Das Curriculum psychoanalytisch-interaktionelle
Gruppenpsychotherapie bietet den Erwerb einer besonderen Kompetenz
in der Gruppenarbeit für Berufsgruppen an, die mit schwerer
gestörten Patienten bzw. Klienten in Institutionen arbeiten. Es ist
vorwiegend an Sozialarbeiter und Sozialpädagogen und andere
Angehöriger akademischer Berufe gedacht, die besondere Kompetenzen
in der Arbeit mit Gruppen erwerben möchten.
Die Fortbildungsveranstaltungen haben keinen currcicularen Charakter.
Sie richten sich an Psychologen, Ärzte und Sozialarbeiter, die Gruppenkompetenzen erwerben wollen, an
Therapeuten aus den kreativen Bereichen wie Gestaltungs- und
Musiktherapeuten, die in Gruppen arbeiten, sowie an Pflegepersonal in
entsprechenden Institutionen.
Über die Weiterbildung hinaus sollen Theorie und Praxis der
analytischen Gruppenpsychotherapie in eine weitere regionale
Fachöffentlichkeit gebracht werden, zum Beispiel durch
öffentliche Vorträge und gruppenanalytische Symposien, die
wissenschaftliche und praktische Veranstaltungen vereinen.
Gruppenverfahren
Gruppenmethoden werden in Verbindung mit kreativen,
verhaltenstherapeutischen und analytischen Psychotherapieverfahren
eingesetzt.
In der analytischen Gruppentehrapie ist das "Göttinger Modell" in
seiner Differenziertheit besonders geeignet, der sozialen, interaktiven
Dimension von therapeutischen Gruppen, dem Kontext "Gruppe" und damit
dem Zusammenhang von unbewußten seelischen Prozessen und
seelischen Verhältnissen des Einzelnen und Verständigung
zwischen Mehreren in Rechnung zu tragen. Hier werden psychoanalytische
Erkenntnisse und Erfahrungen individueller und kollektiver
unbewußter Prozesse mit sozialpsychologischen Erkenntnissen und
Erfahrungen sozialer und interpersoneller Prozesse zusammengeführt.
Die Methoden des Göttinger Modells, die unser Institut vermittelt,
werden vor allem im klinischen Bereich angewendet und haben sich in der
stationären, teilstationären und ambulanten Behandlung von
Patientinnen und Patienten seit vielen Jahren bewährt. Die ihnen
zugrundeliegenden gruppenanalytischen Theorien und Methoden haben
darüber hinaus aber auch in Beratung, Didaktik und Seelsorge, in
Teamsupervision und Institutions- und Organisationsberatung Eingang
gefunden.
Analytische orientierte
Gruppenpsychotherapie
In der analytisch orientierten Gruppenpsychotherapie werden
Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse bearbeitet. Sie
betreffen den Therapeuten bzw. die Therapeutin, die Gruppe als Ganzes,
Untergruppen, einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer, psychosoziale Konfliktmuster und die
dazugehörigen psychosozialen Kompromissbildungen. Regression wird bis zu einer mittleren
Regressionstiefe gefördert, so dass die aus basalen, frühen
Erfahrungen stammenden Anteile der Beziehungen manifest werden und
direkt bearbeitet werden können. Gruppenspezifische Abwehrformen,
die sich als Widerstände in Gruppennormen und in psychosozialen
Kompromißbildungen zeigen, werden angesprochen, geklärt und
gedeutet.
Die abgeleiteten Konflikte und psychosozialen Kompromißbildungen
stellen sich ähnlich wie im Alltag der Teilnehmerinnen und
Teilnehmer dar. In der Ausbildung eignet sich das Verfahren
vorzugsweise für Gruppentherapeutinnen und Gruppentherapeuten, die
eine psychoanalytische oder Ausbildung begonnen oder abgeschlossen haben
und denen der Umgang mit Regression vertraut ist. Als Therapeiverfahren eignet sich die Methode
zur Behandlung von Symptomen, psychosomatischen Störungen und
Persönlichkeitsstörungen bei Patientinnen und Patienten, die
wenig strukturelle Defizite aufweisen, die also über eine
reichhaltigere innere Welt verfügen. Es erleichtert aber auch das Verständnis
von regressiven Gruppenprozessen im außertherapeutischen sozialen
Feld. Das Verfahren ist tiefenpsychologisch fundiert im Sinne
der Kassenrichtlinien.
Psychoanalytisch-interaktionelle
Gruppenpsychotherapie
Die psychoanalytisch-interaktionelle Methode wurde für
Patientinnen und Patienten mit so genannten strukturellen Störungen
entwickelt. Dies sind beispielsweise Patienten, die in der Kinderzeit
schwer wiegende Vernachlässigung oder Gewalt und Mißbrauch
erleben mussten. Zu diesen Störungen gehören schwere
narzißtische und Borderline-Persönlichkeitsstörungen,
präpsychotische Störungen, manche psychosomatischen
Erkrankungen sowie Abhängigkeits- und Suchterkrankungen. Diese Form
der Gruppentherapei kann vielfach auch bei Kranken mit dissozialem und
delinquentem Verhalten eingesetzt werden. Das therapeutische Vorgehen
konzentriert sich hier auf normative Regulierungen in der Gruppe und auf
die Inszenierung von Übertragungen, in denen sich die strukturelle
Psychopathologie direkt abbildet.
Psychopathologie und vorbewußte Gruppenprozesse werden zwar
psychoanalytisch gesehen und verstanden, die therapeutischen
Interventionen sind jedoch am Prinzip emotional authentischen
Antwortens orientiert. Die Weiterbildung in diesem Verfahren eignet
sich für Psychoanalytiker, ärztliche und psychologische
Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen,
Diplompädagogen, Sonderpädagogen u.a., die in einem
therapeutischen Praxisfeld tätig sind, z.B. in der
Abhängigkeits- und Suchtkrankentherapie, in psychiatrischen
Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen oder in der Betreuung von
Strafgefangenen. Im nichttherapeutischen Bereich kann dieses Verfahren
vor allem dazu verhelfen, interpersonelle Beziehungen genauer
wahrzunehmen, zu verstehen und damit umzugehen. Das Verfahren ist
ebenfalls tiefenpsychologisch fundiert
im Sinne der Kassenrichtlinien.